Die ehrliche Antwort ist unbefriedigend: Es kommt darauf an.
Ich weiß, das klingt wie die typische Ausweichantwort eines Entwicklers. Aber bei App-Projekten ist sie leider wahr. Eine App kann 7.000 Euro kosten. Sie kann auch 50.000 Euro kosten. Und beide Angebote können seriös sein.
Der Unterschied liegt selten in der Frage, ob jemand “teuer” oder “günstig” ist. Der Unterschied liegt meistens darin, wie klar die Idee ist, wie viele Sonderfälle es gibt und wie viel nach dem Start noch dazukommt.
Ich habe in den letzten Jahren kleinere Projekte wie Lern- und Prototyping-Apps betreut, aber auch größere B2B- und B2C-Tools für Industrieunternehmen. Die meisten realistischen Projekte lagen irgendwo zwischen 7.000 und 50.000 Euro. Genau aus dieser Perspektive ist dieser Artikel geschrieben.
Die kurze Antwort
Für eine professionell entwickelte App im deutschen Markt sollten Sie grob mit diesen Größenordnungen rechnen:
| Projektart | Realistisches Budget |
|---|---|
| Einfacher MVP mit einer Kernfunktion | 7.000 bis 12.000 Euro |
| App mit Login, Backend und mehreren Screens | 18.000 bis 30.000 Euro |
| B2B-Tool oder Plattform mit Rollen, Dashboard und Schnittstellen | 35.000 bis 55.000 Euro |
Das sind keine Kampfpreise. Es sind auch keine Agentur-Fantasiezahlen. Es sind die Budgets, bei denen man sauber arbeiten kann, ohne das Projekt von Anfang an auf Kante zu nähen.
Wenn Sie Ihr eigenes Vorhaben grob einordnen möchten: Der App-Kostenrechner liefert eine erste Einschätzung zu Entwicklung, Betrieb und Wartung.
Warum App-Kosten schwer zu beziffern sind
Kunden fragen oft: “Was kostet eine App?”
Was sie eigentlich meinen, ist meistens eine von drei Fragen:
- Was kostet ein erster funktionierender Prototyp?
- Was kostet eine App, die echte Nutzer verwenden können?
- Was kostet ein digitales Produkt, das wir langfristig betreiben können?
Das sind drei verschiedene Projekte.
Ein Prototyp darf Ecken haben. Eine echte App braucht Fehlerbehandlung, saubere Nutzerführung, Datenschutz, Tests, Wartung und Updates. Ein langfristiges Produkt braucht zusätzlich Rollen, Admin-Funktionen, Auswertungen, Support-Prozesse und eine technische Basis, die nicht nach drei Monaten auseinanderfällt.
Hier entstehen die großen Preisunterschiede.
Beispiel 1: Kleine App mit Kernfunktion
Das ist der beste Einstieg, wenn Sie eine Idee testen wollen.
Ein typisches Beispiel wäre eine Lern-App, eine interne Erfassungs-App oder ein kleines Tool, das genau einen Ablauf digitalisiert. Nicht zehn Funktionen. Eine.
So ein Projekt kostet in der Praxis oft zwischen 7.000 und 12.000 Euro.
Was darin steckt:
- kurze Konzeption
- ein einfaches UI
- App-Umsetzung für die wichtigsten Geräte
- kleines Backend oder Datenablage
- Testen und Korrekturen
- Deployment und Übergabe
Was nicht darin steckt: monatelange Strategie, ein komplexes Rechtesystem, ein Adminbereich für jede denkbare Ausnahme und drei Wochen Diskussion über den perfekten Button.
Das klingt streng, ist aber gemeint als Schutz für das Budget. Kleine Projekte funktionieren dann gut, wenn sie klein bleiben dürfen.
Meine Erfahrung: Die erfolgreichsten kleinen App-Projekte hatten fast immer eine harte Grenze. “Diese Version kann genau X. Alles andere kommt später.” Das ist nicht fantasielos. Das ist gesund.
Beispiel 2: App mit Login und Backend
Hier landen viele Gründer und kleinere Unternehmen.
Die App hat Nutzerkonten, speichert Daten, zeigt unterschiedliche Inhalte, hat mehrere Screens und muss vielleicht mit einem bestehenden System sprechen. Ab hier ist es keine Spielerei mehr. Die App wird ein richtiges Produkt.
Ein realistisches Budget liegt meistens zwischen 18.000 und 30.000 Euro.
Der Sprung kommt nicht nur durch mehr Screens. Er kommt durch Dinge, die man als Nutzer kaum sieht:
- Anmeldung und Rechte
- Datenmodell
- Backend-Logik
- Fehlerfälle
- Passwort-Reset
- E-Mail-Benachrichtigungen
- Tests auf verschiedenen Geräten
- saubere Übergabe und Wartbarkeit
Das ist der Punkt, an dem viele Projekte kippen. Am Anfang klingt alles überschaubar. Dann kommt die erste Ausnahme. Dann die zweite. Dann soll ein Nutzer plötzlich mehrere Rollen haben. Dann braucht der Admin eine Exportfunktion.
Jede einzelne Änderung wirkt klein. Zusammen werden daraus schnell 5.000 bis 10.000 Euro zusätzlicher Aufwand.
Ich bin deshalb kein Freund von Angeboten, die bei dieser Projektgröße so tun, als wäre schon alles klar. Meistens ist es das nicht. Besser ist ein sauberer Start mit klarer erster Version und bewusstem Spielraum für das, was man erst im Projekt wirklich sieht.
Beispiel 3: B2B-Tool oder Plattform
Bei B2B-Tools geht es selten nur um eine App. Meistens geht es um einen Arbeitsprozess.
Mehrere Nutzerrollen. Ein Dashboard. Exporte. Freigaben. Vielleicht eine Schnittstelle zu einem bestehenden System. Vielleicht unterschiedliche Unternehmen, Abteilungen oder Standorte.
Solche Projekte liegen oft zwischen 35.000 und 55.000 Euro. Größer geht natürlich immer, aber in diesem Bereich lassen sich viele mittelständische Tools sinnvoll starten.
Der größte Kostentreiber ist hier nicht die eigentliche Programmierung. Es sind die Abstimmungen.
Eine Abteilung möchte ein Pflichtfeld. Eine andere will genau dieses Feld optional haben. Die Geschäftsführung will Auswertungen. Die Anwender wollen weniger Klicks. Die IT fragt nach Berechtigungen und Datenhaltung.
Alles berechtigt. Aber alles kostet Zeit.
Bei Industrieprojekten habe ich gelernt: Wenn fünf Parteien mitreden, braucht das Projekt nicht nur Entwickler. Es braucht Entscheidungen. Fehlen diese Entscheidungen, zahlt am Ende das Budget die Rechnung.
Versteckte Kosten sitzen selten dort, wo Kunden sie erwarten
Viele Kunden glauben, die Kosten entstehen vor allem beim Programmieren.
Teilweise stimmt das. Aber die wirklich unangenehmen Mehrkosten entstehen meist vorher oder nachher.
1. Unklare Anforderungen
“Wir erklären das dann im Termin” klingt pragmatisch. In der Praxis ist es teuer.
Wenn Anforderungen erst während der Entwicklung entstehen, muss der Entwickler umbauen. Nicht einmal, sondern immer wieder. Ein Screen verändert ein Datenmodell. Ein Datenmodell verändert die API. Eine API verändert die Tests.
Deshalb ist ein gutes Lastenheft keine Bürokratie. Es ist Budgetschutz.
Für kleinere Projekte reicht oft ein schlankes Konzept mit User Stories, Screenskizzen und klaren Abgrenzungen. Für größere Projekte lohnt sich eine bezahlte Konzeptionsphase. Ja, das kostet am Anfang Geld. Aber es verhindert, dass später blind gebaut wird.
2. UI-Änderungen nach dem Start der Entwicklung
Designänderungen wirken harmlos. “Nur den Ablauf etwas anders” ist ein Satz, bei dem Entwickler innerlich kurz an die Decke schauen.
Nicht, weil sie keine Lust haben. Sondern weil UI und Logik zusammenhängen.
Wenn ein Screen anders funktioniert, muss oft auch gespeichert, validiert oder geladen werden. Was nach einer kleinen Änderung aussieht, kann mehrere Stellen im System betreffen.
Meine Faustregel: Änderungen in der Konzeptphase sind günstig. Änderungen im Design sind noch okay. Änderungen mitten in der Entwicklung sind teuer.
3. Betrieb und Wartung
Eine App ist nach dem Launch nicht fertig. Sie ist online.
Das bedeutet:
- Betriebssysteme ändern sich
- Geräte ändern sich
- Schnittstellen ändern sich
- Sicherheitsupdates kommen dazu
- Nutzer finden Fehler, die im Test niemand gefunden hat
Für Wartung sollten Sie grob 15 bis 20 Prozent der ursprünglichen Entwicklungskosten pro Jahr einplanen. Bei einer App für 20.000 Euro sind das 3.000 bis 4.000 Euro pro Jahr.
Das klingt erstmal viel. Es ist aber deutlich günstiger als eine App, die nach einem Jahr nicht mehr zuverlässig läuft.
Festpreis oder nach Aufwand?
Viele Kunden wünschen sich einen Festpreis. Verständlich. Niemand möchte ein offenes Kostenrisiko.
Trotzdem ist Festpreis nicht automatisch besser.
Ein Festpreis funktioniert gut, wenn der Umfang klar ist. Bei einem kleinen MVP kann das sinnvoll sein. Bei einer komplexeren App mit vielen offenen Details führt ein Festpreis oft zu einem von zwei Problemen:
- Der Anbieter kalkuliert sehr viel Sicherheit ein. Dann wird es teuer.
- Der Anbieter kalkuliert knapp. Dann wird später an Qualität, Kommunikation oder Testzeit gespart.
Ich arbeite am liebsten mit einem klaren ersten Paket und transparentem Änderungsprozess. Also: Was ist in Version 1 enthalten? Was kostet zusätzlich? Wer entscheidet? Ab wann ist etwas eine Änderung und nicht mehr Teil des ursprünglichen Umfangs?
Das ist weniger spektakulär als ein großer Pauschalpreis. Aber ehrlicher.
Woran Sie ein seriöses Angebot erkennen
Ein gutes Angebot erklärt nicht nur den Preis. Es erklärt die Annahmen dahinter.
Achten Sie auf diese Punkte:
- Wird klar gesagt, was nicht enthalten ist?
- Gibt es eine nachvollziehbare Struktur nach Konzept, Design, Entwicklung und Tests?
- Werden Betrieb und Wartung erwähnt?
- Fragt der Anbieter nach Zielgruppe, Prozessen und Daten, nicht nur nach Screens?
- Gibt es eine saubere Abgrenzung für Version 1?
Wenn ein Angebot nur sagt “App entwickeln: 9.900 Euro”, wäre ich vorsichtig. Vielleicht ist es ein gutes Angebot. Vielleicht ist es aber auch nur eine Zahl ohne Projektverständnis.
Mein ehrlicher Rat
Wenn Sie noch ganz am Anfang stehen, starten Sie nicht mit der Frage: “Was kostet die komplette App?”
Starten Sie mit diesen Fragen:
- Welche eine Funktion muss funktionieren, damit die Idee Wert hat?
- Wer nutzt die App wirklich?
- Welche Daten müssen gespeichert werden?
- Was darf in Version 1 bewusst fehlen?
- Wie messen wir, ob sich die Entwicklung lohnt?
Danach lässt sich ein Budget seriös einschätzen.
Und manchmal ist die beste Antwort auch: Bauen Sie noch keine App. Machen Sie erst einen klickbaren Prototypen, testen Sie den Ablauf oder automatisieren Sie nur einen Teilprozess. Eine gute Beratung sollte diese Möglichkeit offen aussprechen.
Fazit
Eine App kostet nicht deshalb 20.000 Euro, weil Entwickler gerne große Zahlen nennen. Sie kostet so viel, weil aus einer Idee ein funktionierendes, getestetes und wartbares Produkt werden muss.
Für einfache MVPs sind 7.000 bis 12.000 Euro realistisch. Für ernsthafte Apps mit Backend eher 18.000 bis 30.000 Euro. Für B2B-Tools und Plattformen häufig 35.000 bis 55.000 Euro.
Der wichtigste Hebel ist nicht, den billigsten Entwickler zu finden. Der wichtigste Hebel ist ein klarer Umfang.
Wenn Sie eine App-Idee haben und wissen möchten, in welcher Größenordnung Ihr Projekt liegt, können wir das in einem kostenlosen Beratungsgespräch gemeinsam einschätzen. Ohne Verkaufstheater. Einfach: Idee, Aufwand, Risiken, sinnvoller nächster Schritt.